Hervorgehoben

Packt is!

Der Rucksack ist gepackt. Nur 7,9 kg, allerdings ohne Wasser und Wanderschuhe. Aber die trage ich ja an den Füßen. Und Essen kommt noch dazu – für die lange Zufahrt von Altenberge bis Bayonne. Aber da wandert das Gewicht auch zügig in das Körperinnere.

Ich freue mich schon, dass es endlich losgeht.

Ach ja, mein Büro ist aufgeräumt. Das war an der Zeit. Jetzt muss ich noch mein inneres Chaos aufräumen.

(nicht wirklich) angekommen

Die letzte Etappe auf meinem Eifel-Camino, noch einmal körperlich fordernd und mit Impressionen belohnen. Und sogar ein wenig mehr Jakobsweg-Feeling als bisher, eine berührende Begegnung mit einem Sarg und ein Besuch mit Herz. Viel für einen Tag.

Weil die Etappe Schweich-Trier zwar „nur“ 24 Kilometer lang ist, aber drei Höhenzüge mit steilen Auf- und Abstiegen enthält, mache ich mich noch vor 7 Uhr morgens auf den Weg.

Leider kann ich mich nicht mehr von den netten Menschen verabschieden, die Mörder gestrige Tag geschenkt hat: die beiden Frauen, mit denen ich Riesling trank. Sie kamen auch in der kleinen Pension Wagner unter, die mich beherbergte. Wir hatten am Abend auf der Terrasse ein Gespräch wie es zu den Pilger Erfahrungen gehört und was das Geheimnis des Camino ausmacht; die beiden, Irida und Svanja (wir gründeten umgehend den Verein Pilgern mit seltene Vornamen e. V.) luden diesmal mich zum Riesling ein, was ich gern annahm. Und auch nicht von dem Pensionswirtspaar, beide um die 80 und herzensgut um das Wohl der Gäste bemüht. Sie leihen mir wieder ein Fahrrad, mit dem ich die Römische Villa auf der anderen Mosel Seite besuchen konnte.

Morgens nnun ging es zügig aus Schweich hinaus in die Höhe vorbei an einem Pilger kreuz mit dem Hinweis Santiago 2395 Kilometer – dieses Ziel würde ich also nicht erreichen. Ein strahlender Sonnenaufgang wärmste meinen ersten Aufstieg. Bald kam mir ein Paar entgegen, Riet und Guus aus Holland, wir waren sofort in ein schönes Gespräch verwickelt – der Kilt ist immer ein guter Aufhänger. Die beiden gingen nicht den Jakobsweg, sind aber Pilgernden, Wandernde aus Passion und mit Mission. Als Vier frei Füße – vier vruje voeten – (mit Facebook-Seite) feiern Sie den Frieden und die Freiheit auf dem europäischen Kontinent, der so sehr durch blutig umkämpften Grenzen zerrissen wurde. Sie sind von Polen aus den Ökumenischen Pilgerweg gegangen, über den ich mehr erfahren will, und haben darüber ein Buch auf Holländisch geschrieben. Und sie waren in 88 Tagen von Holland bis Süditalien unterwegs. Was jetzt wie eine Wanderleistunggsprahlerei klingt, war aber vielmehr das Brennen für die körperliche Erfahrung von Freiheit. Ich war tief berührt und Grüße die beiden herzlich zurück: Pace e bene!

Vier vrije voeten – Guus und Riet

Da war es wieder, das Camino-Gefühl: Menschen auf dem Weg zu begegnen, nachdem man sich über lange lange Strecken nur mit sich selbst auseinander setzen kann. Beschwingt erklomm ich die nächste Höhe und gleich noch die übernächste, nach der Stadt Ehrang. Dort ließ mich eine freundliche Pfarramts Mitarbeiterin in die Jakobus-Kirche am Ort, ein Muss schon wegen der Widmung. Wie leider fast alle Kirchen der letzten Tage ist von der oft frühromanischen Entstehungsgeschichte nicht mehr viel zu sehen. Kriege, französische und preußische Besatzung und zu groß werdende Gemeinden mit Platzansprüchen sorgten für Erneuerungen, Umbauten und manchmal Missgriffen im 19. Und 20. Jahrhundert. Aber dafür sollte ich heute noch entlohnt werden.

Am Moselsteig oberhalb von Trier machte ich schließlich Frühstücksmittag, mit Käse, Gemüse und einem griechischen Schafsjoghurt, wie ein Hirtenbub. Und dem letzten Rest Riesling vom Weingut Gerd Rohr. Von da an ging es abwärts, bald über die Kaiser – Wilhelm Brücke nach Trier. Der Reiseführer schlägt als Route den Weg an allen Trierer Sehenswürdigkeiten vor, aber ich folgte der Alternative, den die Mathiasbruderschaft vorsieht: über bald drei endlose Asphalt Kilometer der Mosel entlang zu St. Matthias-Kirche, Ziel des Eifel-Camino. Diese Kirche geht auf eine auf eine spät Antike Gründung zurück, und trotz der vielen Umbauten und Renovierungen ist noch die Basilika erkennbar. In der Krypta fand ich dann einen wahrhaft spirituellen Ort: die beiden Sarkophag der ersten Bischöfe von Trier, Eucharius und Valerius, völlig ohne Schmuck, brüderlich nebeneinander liegend und auf den Tag des Jüngsten Gerichts wartend. Und den steinernen Schrein mit den Reliquien des Apostels Matthias. Sie sollen von der Mutter Kaiser Konstantins, Helena, nach Trier gebracht worden sein und wurden erst im 12. Jahrhundert wieder entdeckt. Aber anders als in Santiago gibt es keine Instrumentalisierung für antiislamische oder triumphalistische Herrschaftsansprüche. Es ist ein einfacher, kleiner Kasten ohne Gold und Edelsteine. Von Matthias, der nach dem Suizid von Judas in den Kreis der 12 Apostel nachgewählt wurde, weiß man sonst nicht viel. Und das macht ihn für mich so berührend. Anders als die anderen Jünger kann er sich nicht auf die Auswahl des irdischen Jesus berufen, gehört aber dennoch – ohne all Verdienst und Würdigkeit – in den Kreis der Nachfolger. Ohne ihn wäre der sogar unvollständig. Er soll sogar ohne spektakulären Märtyrertod eines natürlichen Todes gestorben sein, friedlich eingeschlafen. Dieses Einfache Normale und Unprätentiöse hat mich berührt. Alleine in der Gruft sprach ich ein Vaterunser und stimmte ein Laudate omnes gentes an. Ob das noch alles reformatorischem Anspruch genügt? Ich weiß es nicht. Aber ich stehe in der Reihe der namenlosen Nichthelden, die doch ihren Glauben bezeugen wollen. Und am Ende nichts sein werden als ein paar Knochen in einer Kiste oder Asche in einer Urne. Und ohne die die Kirche nicht vollständig wäre. Ich war angekommen.

Der einfache Apostel

Alles danach war Plus.

Das kurze Gespräch mit dem Benediktinerbruder im Klöster laden, bei dem ich ein Lederband für mein Kreuz aus Hontanas er stand, der rückwärtigen Weg vorbei an den Sehenswürdigkeiten bis zur Porta Nigra und das leckere Eis in der Innenstadt. Ein Highlight war noch die Konstantinsbasilika, ehemaliger Repräsentations- und Audienzsaal des römischen Kaisers. Ein unfassbar mächtiges und puristisches Bauwerk, heute (seit Kaiser Wilhelm) evangelische Kirche von Trier! Dank ihrer Leere und der beeindruckenden Orgel kann der Raum ganz dem Klang überlassen werden. Kein Schnickschnack.

Das einzige Möbelstück zu römischer Zeit war ein hölzener Stuhl für Kaiser Konstantin.

Dem Dom und die Liebfrauenkirche stattete ich pflichtgemäß einen Besuch ab, letzterer mit Erbauung, erstere wegen ihrer Überfrachtung eher mit Skepsis. Aber was soll’s, ich bin hier nicht als Kritiker gefragt.

Was im Vergleich zu Santiago fehlt ist das Ankommen gemeinsam mit vielen anderen Pilgernden. Das Glück und die Freude in ihren Gesichtern und in meinem eigenen stellt sich so eben nicht ein. Angekommen, aber eben nur auf einer Etappe des Wegs, der nun in Frankreich fortzusetzen wäre.

Für Nach-Corona-Zeiten man wird ja nochmal träumen dürfen

Aber Gott sei Dank habe ich das ja schon erlebt, gemeinsam mit meinen Pilger geschwister von vor einem Jahr. Und einer von ihnen, Michael Engel, lebt mit seiner Frau Melanie und den Kindern Amélie und Nicolas ganz in der Nähe. Bei ihnen darf ich meinen Pilgerweg beenden, Blicke von der Terrasse hinüber nach Frankreich, genieße ihre Gastfreundschaft, werde in die Kunst des saarländischen Schwenken eingeführt und höre von vielen Freund*innen des letzten Jahres.

Michael und Melanie

In einem schlauen Theologenbuch habe ich gelesen, dass auf dem Camino intensive, aber nicht dauerhafte Beziehungen entstehen würden. Dem kann ich nicht entschieden genug widersprechen. Wir sind und bleiben verbunden, unsere Partner*innen mit einschließen, wenn sie wollen. Uns verbindet eine tiefe Erfahrung, für die ich kein anderes Wort finde als: wir sind Gesegnete.

Déjà-vu

Heute vor einem Jahr habe ich mit dem Camino Frances begonnen. Daran musste ich heute viel denken, immer wieder, denn die Etappe von Klausen nach Schweich war ein wenig wie eine komprimierte Version der ersten Tage zwischen Baskenland und Rioja. Nachdem in Klausen der Eifel und der Mosel-Camino ineinander münden, sind nun auch mehr Pilger*innen unterwegs. Es gibt sogar regelrechte Herbergen mit „Massenlager“. Ich schlief in einem 9-Bett-Zimmer, aber allein. Die Schnarchen schiene konnte ich also im Etui lassen. Kaffee gab’s im Dorfladen, einer tollen Kooperative der Dorfbewohner*innen von Klausen, die mit Bäcker, Metzger-und anderen Betrieben der Region den Laden führen. Es ist ländlich wie die Dörfer im Baskenland, und ein riesiges Kloster ist auch da, mit tollem Klosterkräutergarten. Ein paar Eindrücke von heute morgen:

Im Dorfladen fehlt es an nichts
Klausen erwacht… . . langsam
Bestimmt auch etwas Gift dabei

Das erste Teilstück ist gleich ein fulminante Anstieg um gut 200 Höhenmeter, aber der ist bald geschafft. Wie der erste Tag über die Pyrenäen führt, so geht es auch heute zweimal über einen Bergkamm, mit sensationellen Panoramen, einmal zurück in die Eifel, einmal hinein in das Tal mit der Mosel Schleife. Oben auf dem zweiten Kamm, nach 4 Kilometern durchgehender Steigung bei erdrückender Spätsommer-Hitze, weiden oft Schafherden, leider heute nicht – nur die Köttel sind sie sehen, überall.WWenn jetzt noch Pferde grasen würden, müsste ich mich kneifen, ob ich nicht doch auf Roncesvalles zugehe.

Am höchsten Punkt des Tages
Blick zurück
Blick nnach vorn ins Moseltal

An einer Stelle am Waldrand ein spiritueller Text. Ich muss ihm schon Recht geben. Es geht hauch heuthe wieder durch Wälder, die zum romantischen Erbe Deutschlands viel beigetragen haben. In manchen Momenten duftet es so intensiv nach Pinien, wie ich es noch nicht erlebt habe. Und dann sind da wieder Buchen, alte, massig Eichen, sogar Fichten, die einfach wachsen und wachsen dürfen.

Auch Vögel gibt es heute wieder reichlich, vom kleinen Zaunkönig über Rotkehlchen und Kohlmeise bis Kleiber und Specht, und immer wieder Eltern und Krähe.

Mein Mittag/Frühstück nehme ich erst, nachdem ich die Weinberge erreicht habe. Ich fühle mich erinnert an die Rioja mit ihren endlosen Weinbergen. So auch hier, aber deutlich weniger giftig. Immer wieder Masche ich ein paar Beeren und noch ein paar mehr.

Schließlich kaufe ich in Küsserath in der Dorf infothek eine ganze Flasche Riesling, lächle bacchantisch zwei Pilger innen zu, die in der Renaissance Kirche fromm gesummt haben, und mache mich auf den Aufstieg, den zweiten mit den 4 Kilometern. Irgendwann ist endlich ein schattige Plätzchen gefunden, das Glas, das ich für diesen Moment mitgeschleppt habe, aus dem Rucksack gekramt, der Riesling geköpft und…

Ich habe schon zwei Becherlein intus, als die frommen Sängerinnen eintreffen und sich nicht lange bitten lassen, von meinem Riesling zu kosten. In schnöden Plastikflaschen, die sie flugs und eifrig leeren. Jetzt weiß ich, wie der alte Goethe bei seinen Reisen die Damen rumgekriegt hat. Ich selbst beleine tugendhaft (es waren ja keine Kerle unterwegs) und setze meinen Weg fort. Die Weingegend ist betörend, aber edann wiell ich dich auch bald die heiße Sonne hinter mir haben und freue mich, in Schweich einzutreffen. Im Schaufenster einer Metzgerei wird Abgehangenes Rindfleisch angeboten, ein Flashback ereilt mich – so sah es in Leon aus, als Stefan, Jörg und ich ein Fleischfest feierten. Sie sind nicht da,cich geh vorbei und werde am Abend eine vegetarische Pizza essen.

Und ich einen Riesling trinken.

Eine Gedenkstele am Weg, das Zitronenkrämerkreuz, das an den Mord (!) an einem Italienischen Zitronenhändler erinnert. Vielleichthatte Er eine Winzer tochter zuviel mit Limoncello begeistert?

Schweich ist ein eigentlich hässlicher Ort, aber die wunderschöne Kirche, eine lebendige Synagoge und – über die Mosel hinüber – eine original ausgegraben und behutsam ergänzte Villa Romana aus dem 2. Jahrhundert machen es zum lohnende Stop.

Und Gespräche mit anderen Pilgern gab es auch.

Sie wollten keine Helden sein, sie hätten wahrscheinlich lieber gelebt

Der Heutige Tag ist mein längster Wandertag, 34 Kilometer bei heißen Temperaturen und einem Aufreger.

Der Weg führt von Bad Bertrich ebenso steil 200 Höhenmeter hinauf, wobei ich Rührei, Lachs, Croissant und mehrere Gläser Frucht-und Gemüsesäfte mit nach oben schleppen muss. Er führt anfangs durch Wälder mit mehreren Gelegenheiten, den Weg zu verlieren, zwei davon genutzt. Dann wird es sehr asphaltig und sonnenbeschienen, meine Kleidung füllt sich mit Schweiß. Aber die Weitblicke sind wunderschön, sogar Vulkankegel sind zu sehen.

Den Aufreger erzähle ich gleich. Schildere nur eben noch das Gute des Tages. Drei Grünspechte. Viele Eidechsen, Eichhörnchen, Rehe und Stare. Und auch nette Menschen. Am Ziel die ersten Pilger, die allerdings den Mosel-Camino gegangen sind. Und dann noch die folgende Szene. Ich gehe auf den Zielort des Weges zu, schon leicht dehydriert von einem kühlen Riesling halluzinierend. Ich Habe Ihrstöpsel in die Ohrmuscheln gestopft, und höre den Soundtrack zu Herr der Ringe 1, das Stück The Shire. Das ist sehr folkloristisch und ich wundere mich nur ein kleines bisschen, dass der Komponist Howard Shore auch einen Hahnenschrei verarbeitet hat. Passt doch! Da sehe ich rechts von mir, wie ein etwa 10jähriger Bub das Gatter zu einem kleinen Gehege öffnet, die vier Hennen samt Hahn auf ihn zulaufen, er sich hockt und der Hahn auf seinen Schoß hüpft und kräht!da hat Howard Shore wohl meinen Eifel-Camino auf die Minute genau mit einem Soundtrack versehen.

Der Herr der Hähne

Davor habe ich mehrere Soundtracks durchgehört, bei 34 Kilometern (sagte ich das schon?) hat man ja ja Zeit,mal das zu hören,was man lange schon hören wollte. Die Soundtracks zu Dunkirk,zu Joker und zu 1917. Allesamt Depri-erster und zweiter Weltkriegs Filme,ider eine Dystopie mit einem psychopathischen Superheldenbösewicht. Die Musik ist entsprechend 12tonal verstimmend.Passt zu meinem Aufreger Ich gehe fröhlich nach meinem Aufstieg in die erste Kirche, Hontheim., ein 800Seelendorf, wie es Tausende in deutschen Landen gibt. In der Kirche ist der Stempel für den Pilger Ausweis. Auf dem dorthin, am Eingang der Kirche, hängt die Ehrentafel für die Gefallenen des 2. Weltkriegs, junge Männer, Familien älter, Söhne. Gefallen und vermisst, wie mein Großvater, genauer der geliebte Stiefvater meines Vaters, Georg in Stalingrad blieb.

In der Mitte der Gedenktafel, die mit dem Begriff Unsere Helden ersehen ist, hängt ein Orden, unschwer als Eiserne Kreuz zu erkennen.

Als ich näher Hinblick, erkenne ich das Hakenkreuz, völlig unkommentiert und unverschämt präsentiert. 116 Bilder zeigen die Köpfe von Männern, als Gloriole um das Sonnensymbol der braunen Scheißkerle, die einen ganzen Kontinent angezündet haben, 116 Männer hier in Homtheim auf dem Gewissen haben und viele, viele Millionen andere nochm dazu. Die Beschwichtigen werden sagen:das ist halt Geschichte, das muss man doch noch zeigen dürfen!

Von wegen! Müssen diejenigen von den 116,die nicht begeistert den Totalen Krieg bejubelt haben, für immer ein Hakenkreuz in ihrer Nähe und den Titel Held fürs Vaterland (und den verfluchten Führer) über sich stehen haben? Ich bin mir sicher, dieeisten hätten lieber ihre Felder in der Eifel gepflügt statt im Osten unrechtmäßig Raum für das Volk zu erobern. Ich kann diese Art von Heldenverehrung nicht akzeptieren und rufe die B<rgermeisterin an. Und weil nur das Band rangeht, erstatten ich Anzeige bei der Polizei, denn NS-Symbole gehören nicht in die Öffentlichkeit, auch nicht an einer Kirche für Christen und sonstige Pilger. Wahrscheinlich habe ich mir in Hintheim keine Freunde gemacht. Seis drum.

Wellnesstag

Am Morgen verabschiede ich mich von den guten Herz Jesu Brüdern, klaube mit Erlaubnis noch ein gutes Dutzend süßer Zwetschgen frisch vom Baum und begebe mich ins tiefe, dunkle Tal von Maria Martental. Der Name bezieht sich auf die Martern der Mutter Gottes, die einem in unendlich vielen – und ich meine das wörtlich – Wegkapellen in immer gleicher Weise präsentiert wird. Maria als Pieta, mit Jesus auf den Knien, dem Toten natürlich. Es ist fast so, als ob es über 100 Jahre hinweg ein Dauerangebot von Aldi gab, Maria Martern, für Weg Ränder aller Art. Es ist nicht sehr einfallsreich, genauso wie die ewig gleichen sitzenden Thai-Buddhas,ddie seit Jahren von Baumärkten für Vorgärten aller AR feilgwboten werden. Wahrscheinlich fanden das meine Herz Jesu-Brüder auch langweiligund errichteten in Maria Martental einen Weg der Sieben Freuden der Gottesmutter. Übrigens will mein Autokorrekturprogramm den Begriff Gottesmutter nicht akzeptieren. Ob das am chinesisch-kommunistischen Handy liegt?

Egal, ich schweife ab. Ich breche also auf zum landschaftlich schönsten Abschnitt des Weges bislang. Entlang des Sesterbach führt der Weg, zugleich Schiefer-Radwanderweg, durch dichte Mischwälder, in einem tiefen, dunklen Tal. Man möchte Räuber und Wegelagerer hier vermuten, und tatsächlich erklingt nicht weit vor mir – es ist Sonntag Morgen, halb acht! – Gebrüll und Gejohle.

Das Lagerfeuer flackert durch die Äste

An einem tiefen Wasserfall – bestimmt acht Meter tief – sitzen ein halbes Dutzend türkische Jungmänner, die entweder die Nacht durchzecht oder sich zum Sonnenaufgang hier verabredet haben. Ein riesiges Lagerfeuer lodert, und aus einem Ghetto Laster dröhnt türkischer Techno. Sieerken, dass ich von oben runter haue, rufen wenig Einladende hinauf, und ich nehme die Ausladung gern an.

Ansonsten st der Morgen völlig still und geruhsame. Der Weg könnte aus einem Grimmschen Märchenbuch für Kinder stammen. Ich meine aus den Quellen Stimmen zu hören: Brüderchen trink aus mir, aber wer weiß, wie weit der Einfluss Putins inzwischen schon reicht….. Ich trinke nur aus meinem Wassersack, den ich mit dem Hahnenwasser im katholischen Kloster gefüllt habe. Da kann mir nicht viel mehr passieren, als dass ich Marienkapelle und Marterbilder allmählich aufregend finde. Oder einfach sonst überall nur noch Schönheit sehe. Im Flug eines Grünspechtes zum Beispiel, den ich aufschrecke, oder dem Rotwild, das gazelle gleich davon springt. Oder in einer herbstlichen Blumenwiese, die eimerweise Honig produzieren müsste…

Es ejt einige Stunden durch den Märchenwald, dann durch die ländlichen Dörfer Alflen und Gillenbeuren und Lutzerath. Nach meinen Räubertürken begegnet mir nur noch ein geharnischnter Radfahrer auf einem Tourenbike, verzweifelt in die Pedale treten.

Kurz hinter Gillenbeuren dann ein Gedenkkreuz für zwei Geschwister, deren tragische Geschichte auf einer atafel erzählt wird. Als Mitte des 19. Jahrhunderts der Hunger so groß war, hatte ein Pfarrer kostenlose Schulbücher im Nachbardorf besorgt. Die beiden, Maria und Bartholomäus Schneider, 15 und 8 Jahre alt, waren losgezogen und hatten sich von einer guten Frau auch noch Brot schenken lassen (dafür aber einen Umweg riskiert). Dann kam ein Schneegestöber und die Geschwister erfroren wenige Meter vor dem Dorf, ihr Mutter fand sie, mit Büchern und Brot in der Hand. Wahrscheinlich sind es solche Geschichten, die die Pieta Figuren so volksnah werden ließen.

Ich suche Zuflucht in einer Kirche und finde eine wunderschöne zweischiffige Barickkirche – obwohl mir Barickkirche seit meinen bayrischen Jahren etwas über sind. Aber diese hat etwas

Wallfajrtskirche iin Lutzerath-Driesch

Verehrt wird natürlich das Bild der Mater Dolorosa, aber der Altar rechts ist das Werk aus 30 Jahren Schnitzarbeit eines örtlichen Handwerkermeisters, der diese bunten Altar mit eher ungewöhnlichen Themen aus Jesu Leben verzierte.

Nun empfinde ich Hunger und packe mein Frühstück samt Frühstücksei aus dem Kloster aus, dazu die Zwetschgen und einen Apfel. Zu meiner Rechten das Gebell aufgeregter Schäferhunde, denn mein „Waldsofa“, eine echte Wellnessliegebank, befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum Ortclub der Schäferhundefreunde. Aber vor meinen Füßen die Weite der Eifel.

Bei diesem Blick lässt sich gut Eier schälen

So an Leib und Seele (siehe Kirchen Es uch) gestärkt, mache ich mich nach Kennfuss auf, sehe dort den Boulevard meines Pilgerbruder Stefan, und höre ab da auch das entsprechende Geräusch der Rentner auf schweren Maschinen.

Nun geht es nämlich steil abwärts, für die Biker auf Serpentinenstraßen, für Pilger und andere Wanderinnen auf schmalsten Pfaden über lockere Schieferwege. Noch immer Vulkanfomationen, denn wir befinden uns in unruhigem Gebiet: maare und Thermalquellen.

Zu einer davon will ich: Bad Bertrich heißt das Ziel, schon von den Römern entdeckt und als Bad genutzt. Sobald ich die über zweihundert steilen Höhenmeter abgestiegen bin, wartet eine Bäderkulturerrumgenschaft auf mich:ein Stück Capuccinotorte!

Ich bin mir nicht sicher, ob mir die betagten Mitesserinnen im Kurcafé eher die Torte oder den Kilt missgönnten

Ein hübsches Hotelzimmer konnte ich mir zu einem hier nicht ohne Ehrverlust nennbaren Spottpreis über Booking-App reservieren. Ich habe es genossen und sogar gefrühstückt, trotz 16:8-Disziplin (auf die ich nun schon mehrmals pfiff). Wahrscheinlich habe ich den Hotelpreis schon beim Lachs am Frühstücksbuffet aufgebraucht.Dafür habe ich vom Mosel Sekt Abstand gehalten.Das wäre doch zu früh ewesen und gänzlich wider mein asketisches Pilgerdasein.

Den restlichen Nachmittag habe ich dann dem süßen Nichtstun gewidmet (nach der obligatorischen Wascharbeit zur Beseitigung übler Gerüche aus körpernahen Textilien) und die Vulkantherme besucht. Völlig entschlackt und auch reichlich erschafft und verweichlicht wich ich nach 3 Stunden Sauna, Thermalwasser und Rumflätzen zurück ins Hotelzimmer und fand doch keinen Schlaf. Der übwrdensionierte TV-Bildschirm hatte CNN und BBC. Trump rauf und runter. Die Zivilisation ist nichts für mich, trotz Wellness-Tempel.

Abstieg zzum mondänen Kurort Bad Bertrich wo 2006 die Schweizer Fußballnationalmannschaft wohnte. Wahrscheinlich trotz der steilen Felswände (Heimat!) nicht auf eigenen Wunsch. Der Oberbürgermeister von Bad Bertrich war auch höher Funktionär bei Schalke 04. Da musste ja auch was für ihn abfallen, oder?

Gesegnet werden

Gestärkt vom Frühstück bei meinen Gastgebern von der Pension Zum Obertor mache ich mich uf die Pilger Socken, entlang der Regiobahnlinie nach Kaisersesch. Der Weg ist wunderschön, zunächst an der Elz entlang und bald an einem noch kleineren Bach. Der Schiefereifel-Radweg ist eher ein Wanderwege. Ich bin völlig alleine unterwegs, es ist still, Eidechsen und Vögel, Wald und Wiesen, ich komme völlig zur Ruhe.

Da erreicht mich eine erste Nachricht. Jörg hat den Blogeintrag nach Maria Laach gelesen und schickt mir einen langen Segensgruß. Wer braucht schon Patres, wenn er solche Freunde hat!

Und dann ist das Telefonnetz einmal kurz so leistungsfähig, dass ich die Abtei Maria Martental erreiche. Ja, sie haben ein Pilger Bett für mich!

Ich muss nur noch durch Kaiseresch (sieht man dem Ort gar nicht an, dass Kaiser Ludwig IV mal dort gewesen sein könnte), wo es sogar eine städtische Pilger Herberge im ehemaligen Knast (französisch höflich Prison genannt) gibt.

Skluptur aan der Pilger Herberge in Kaisersesch

Am Ende des Ortes geht es steil bergauf bis zu einer Schutzhütte im Wald. Ich mache Brotzeit mit den Brötchen meiner Pension, ein Rentner aus dem Ort gesellt sich dazu und erzählt vom Bauweisen in Kaiseresch und von seinen kaputten Knien. Eines kann ich schon jetzt sagen: maulfaule Westfalen sind die Eifel Pfälzer gewiss nicht. Im nächsten Ort spricht mich ein stämmig und etwas ungepflegt wirkendes Paar vor einer Garage an: Wo wolle se denn hin? Do sin se falsch. Sie weisen mir den leicht zu über sehenden Wiedenweg hinter dem Friedhof an und retten mich vor 6 Kilometern Umweg.

Wie Ch steil aufsteigen musste, darf ich jetzt wieder absteigen. Der Waldweg wird ein Waldpfad, gesäumt von beeindruckenden Schieferwänden.

Da iist noch ein Weg, kurz darauf nur mehr ein Trampelpfad

Vorbei geht es an Fischteichen und schließlich einem Prozessiinsweg mit den „sieben Freuden Marias“ (das habe ich noch nie gesehen, ist aber wirklich schön), dann stehe ich vor der Wallfahrtskirche Maria Martental mit eine 800jäjrigen Geschichte. Ist ein populärer Ort im Umand bis heute (als ich ankomme findet in der Kirche eine Trauung statt), was wahrscheinlich auch an der Gemeinschaft liegt, die die Kapelle hier betreut und auch die Krankenhausseelsorge im Umland leistet: der Herz Jesu Orden.

Tief iim Tal liegt ein Kraftort mit einem Gnadenbild

5 Mönche sind es heute nur noch, und einer von ihnen ist heute beim Wandern mit einem schweren Herzinfarkt ins Krankenhaus geliefert worden. Aber von diesen wenigen geht eine Ausstrahlung und Klarheit aus, die mich begeistert. Ich kriege mein Zimmer und esse spätergemeinsam mit ihnen und der Haushälterin an einem Tisch, mit Corona-Abstand natürlich. Vorher kann ich die Messe mitfeiern in der Wallfahrtskirche. Etwa 50 Menschen sind im Gottesdienst – alleüssen sich vorher telefonisch anmelden, wegen Corona. 250 Anrufe haben sie jeden Samstag, die Kirche könnte fünfmal so voll sein. Die Liturgie ist einfach, fast schon protestantische, und die Predigt klar, biblisch und auf den Punkt gebracht. Konflikteuss man lösen. Mit Barmherzigkeit und ohne Machtmissbrauch.

Den SSegen lass ich mir sehr gern zusprechen. Danke!

Die Herz Jesu Gemeinschaft wurde im 19. Jahrhundert gegründet als Sozialorden und zur Stärkung von Arbwiterrechten und Demokratie. Sozialkatholizismus, das brauchte es in dieser bettelarmen Gegend bestimmt.

Das as ich mir von Maria Laach erhoffte, habe ich hier gefunden. Und so bin ich heute doppelt gesegnet – und mit viel Natur noch beschenkt.

XXL zum Niederlassen

Ein langer Pilgertag hinterlässt auf seinen 30 gegangenen Kilometern viele schöne Eindrücke. Immer wieder stoße ich auf Orte, an denen man sich niederlassen möchte, oder an denen man zumindest verweilen kann.

Morgens gehe ich früh von Maria Laach weg, durch einen Buchenwald, der mich zurück nach Mendig führt. Im Wald das Haus der Naturfreunde, der Herbergsvater repariert schon um halb acht die Eingangstür und ist zu einem Schwätzchen über die Lage der Welt aufgelegt. Ich lerne, dass der Begriff Nachhaltigkeit von den Naturfreunde erfunden, jetzt aber nicht mehr gern gebraucht wird, weil er soviel missbraucht wird. Und das auf nüchternen Magen… Ein philosophierender Herbergsvater, da könnte man wiederkommen. Aber mich treibt es weiter, am Gewerbegebiet von Mendig vorbei, mit Riesenreklame für Eroticworld. Die Autobahn ist nahe. Kaffee auch, im Gewerbegebiet natürlich nicht sehr stilvoll.

Kaffee unter den Golden Arches….

Eine verzweifelte Großfamilie wollte dort frühstücken, aber McDonald’s nutzt die Corona Krise, um den Frühstücksservice erst um 9 zu öffnen. Ich kann die Familie nicht trösten und ziehe weiter nach Kottenheim. Dort steht am Abhang eine gigantische Holzbank mit Fernblick. Darunter eine Streuobstwiese. Kottenheim soll davon komplett umgeben sein, ein Streuobstwiesenring, an dem sich die ganze Gemeinde bedienen kann, alte Sorten. Die Birnen sind lecker 😁.

XXL Bank ohne Möbelhauswerbung. Einfach so.

Nach einem kurzen Einkauf im Dorfsupermarkt,wwo auch die Pilgerstempelstelle ist, und einer Mittagsrast am Waldrand geht es weiter nach Mayen.

Die Stadt ist eine echte Überraschung für mich. Obwohl gegen Ende des Krieges fast gänzlich zerstört, hat sie vieles wieder so aufgebaut wie et mal war. Ein historisches Rathaus, eine hocherhaben gelegene Genovevaburg mitten in der Stadt, einen belebten Marktplatz mit vielen Cafés und Wirtschaften. Alles bunt, alles lebendig. Die Burg mit einem Schieferbergwerk, das man besichtigen kann, ist leider Freitags geschlossen (Freitag ist der neue Montag!), schade, denn der Schiefer von hier muss wohl mal in die ganze Welt exportiert worden sein. Die aktuell so angesagten Schieferplatten beim Perfekten Dinner stammen wahrscheinlich von hier.

Es gäbe noch viel zu sehen, eine ehem. Hospital Kirche für medizinischen und geistlichen Beistand für Pilger des 14. Und 15. Jahrhunderts (heute ein ber<hren spiritueller Gedenkort für die Gefallenen der Kriege WW I & II) den erzwirbelt schiefen Kirchturm der Stadtkirche und die großartig neu ausgemalte Herz Jesu Kirche, in der ich auf Bärbel und Christa stoße, zwei Herzöge Witwen, die sich mir gleich für meine Fürbitte bei einer baldigen Marienkapelle vormerken lassen. Immerhin lassen sie mich vom Altertisch aus das Kreuzgewölbe fotografieren.

Das sieht sonst so nur die Hostie

Oberhalb der Stadt, immerhin mal Kreisstadt (deswegen das Kfz-Kennzeichen MYK Mayen-Koblenz) befindet sich ein weiterer Platz zum Verweilen, die Jakobs Säule.

Etwas grobschlächtig zwar, aber die Bergwerke haben Weitblick und Heru

In Mayen wurde der Eifel Camino erfunden von der Mathiasbruderschaft. Sie haben die uralte Tradition wieder entdeckt, denn allerorten gibt es steinerne und urkundliche Belege, dass hier schon im 11. Jahrhundert und noch lange danach Pilger auf dem Weg nach Santiago de Compostela unterwegs waren. Auf jeden Fall ist alles exzellent ausgeschildert, Pfeile und Muscheln überall, wo man sie braucht.

Nach Mayen beginnt der landschaftlich schönste Teil der Etappe, drei Kilometer stetig abwärts durch einen wahren Märchenwald. Und am Ende dann ein fast verwunschen-verschlafenes Dorfd, Monreal, mehrfach als schönstes Dorf Deutschlands prämiert. Es ist wie eine Miniaturausgabe von Rothenburg odT, in einen engen Talkessel gestopft Fachwerkhäuser, drei mittelalterliche Brücken, ein Café Plüsch mit feinem Rivaner und Zwetschgendatschi und über allem thronend zwei mächtige Burgruinen. Deren Türme konkurrieren wie Geschlechtertürme in San Giminiano,nnur sind es hier zwei Brüder, die wohl klar machen wollten, wer den Größten hat.

Wenn ddas nicht echt wäre, wäre es eine tolle Erfindung von Kulissenbauern
Diese Burg ist höher. Die habe ich am Abend noch mit Badelatschen erklommen, bis ganz oben auf dem Turm. Wäre fast eine Blase draus geworden, aber nur fast

Die Löwen-und die Philippsburg sind jedenfalls beeindruckend. Aber halt Ruinen. Der Ort dagegen lebt nicht schlecht von den Wanderbesuchern. Noch kein überzogene Tourismus, sondern wohl wirklich nur Märchenfans und Wanderer.

Auch das schönste Dorf Deutschlands kennt Ecken des Grauens. Buddha muss sicher sehr viel Meditieren, um seine Umwelt zu ertragen.

Meine Gastgeber, sie übrigens auch Compostela-examinierte Pilgerin (2013), sind sehr bemüht, machen mir ein tolles Frühstückb und geben mir wertvolle Tipps. Als ich nämlich die nächste Etappe plane, merke ich, dass auf über 30 Kilometer keine Bleibe zu kriegen ist. Und das ist mir beim Auf und Ab in der Eifel eigentlich zu weit. „Sie kommen doch an der Wallfahrtskirche Maria Martental vorbei, da gibt es doch bestimmt eine Unterkunft!“ sagen Sie mir. „steht nichts davon im Führer, und im Internet hab ich auf den Eeiseportalen auch nichts gefunden.“

Aber sie haben Recht. Auf der nächsten Etappe finde ich wieder zum Glauben. Monreal ist ganz Gewissen ein Ort zum Verweilen.

Die Kraft, die aus der Tiefe kommt

Zwei Ziele hatte ich mir vorgenommen für diesen Camino: einmal richtigetwas von den Vulkanen zu erleben, zum andern benediktinische Kultur in einem der großen Klöster zu erfahren. Das eine hat geklappt.

Die WWingertsbergwand – ein terrestrische Blogeintrag

Mein tagestripp war recht kurz, nur von Thür nach Maria Laach. Ich ging nochmal über die Thürer Wiesen um Bienenfresset sehen zu können – und hatte Glück. Die bunten Vögel waren zu schnell fürein Auge und die Kamera, aber der markante Gesang war eindeutig. Ich wusste nicht, dass Bienenfrasser hier leben.

Ein kurzer Moment Mitmenschlichkeit folgte im Bergbauort Mendig am Geldautomat. Vor lauter Chaos in der Bauchtasche zwischen Mundschutzmaske, Geldbeutel und auch noch Wanderstock ließ ich die abgehobenen Geldscheine im Es-Automatestecken. Eine aufmerksame Bankkunden beobachtete das und kam über die Straße, wo ich meinen Morgen Kaffee trank. Ich hab Sie in der Bank am Automaten gesehen, sagt sie, Sie haben Ijr Geld vergessen! Noch bevor ich sie zum Kaffee einladen konnte, war sie schon wieder weg.

In er Bank wusste man schon Bescheid, prüfte aber noch per Video Aufzeichnung, ob ich wirklich der sei, der ich behauptete zu sein. Glatze, Pilgerstab und Kilt beseitigen die Zweifel und ich konnte entspannt meinen Kaffee bezahlen

Mein Wanderwege führte mich nun zur WWingertsbergwand. Hatte ich noch nie gehört, aber die Bekanntschaft mit Geologe Sven von Loga am Vortag hatte mich darauf aufmerksam gemacht. Eine Wand, aufgeschnitten wie ein Parmaschinken (würde auch mit Serrano funktionieren). Ein ganzer Berg, glatt und senkrecht abgeschnitten, 40 Meter hoch, Überbleibsel der Steinbrucharbeiten vergangener Generationen (keine Sorge, hier in der Gegend wird noch immer gestemmt, gesprengt, gebrochen, was die Erze hergeben). Die Wand ist Geschichte, Lage um Lage. Die untersten Schichten, meterdick mit dicken Steinen, entstanden in den ersten 6 Minuten des Vulkanausbruchs vor 130000 Jahren. Darüber Meter von pyroklastischem Schmelzgut, das über die Landschaft fegte, dann Brocken heruntergeregneter Steinwolken. Und erst ganz zu Oberst die Bimsbricken von vor 13000 Jahren, als der Lacher Vulkan noch mal ausbrach. Und überall in der Landschaft liegen dann noch riesige Felsen herum, als hätten Trolle mit ihnen Golf gespielt.

40 Meter Erdtagebuch
Selfie mit Kopfnuss

Die Sprengkraft dessen, was in der Tiefe liegt, ist gewaltig. Und erweist sich, wenn es sich Bahn gebrochen hat, letztlich als Ressource für Generationen.

Ich zog weiter, über den Horizont des Vulkankraters zum Lacher Seele, um Erbauung zu finden in der Frömmigkeit tradition benediktinische Gastlichkeit und Liturgie. Ich hatte mich wohl angemeldet, musste aber warten bis die Kloster Pforte um 14:30 Uhr wieder geöffnet wäre. Der weilen konnte ich das geschäftigen Treiben im Klosterbuch-, Garten- und Kunstschmiedeladen bestaunen. Das Speiselokal ist geschlossen, aber das vom Kloster mitnetriebene Seehotel (****) würde gern eine Erbsensuppe zur Vorspeise servieren (über den Preis schweigt das gleichlautende Gelübde). Aus meiner Britzeitdose würde ich auch satt, sogar mit einer Wildschweinbratwurst meines Pilgerbruder Jörg!)

Schließlich ließ mich der freundliche Gastpater Viktor ins Kloster, zeigte mir mein Schläge ach und die diversen Türen, mit denen man das Kloster wieder verlassen könnte. Sonst nichts. Keine Info, keine Bibliothek (die von Maria Laach muss sensationell sein) und keine Frage, was einen hierher führe). In der vorhandenen Teeküche gab es zwar Teebeutel und einen Kocher, aber kein Geschirr.

Es regnete in Strömen in Maria Laach

Die Vesper konnte ich besuchen. Dazu geht man durch einen grandios schönen Vorhof, das Paradies, mit einem Löwenbrunnen, und später ziehen die Patres ein, getrennt von der Welt durch ein eiserne Gitter.

Das Paradies

Es ist mir ja als Liturgiker vertraut, wie benediktinische Liturgie abläuft, aber ich habe noch selten so sehr empfunden, dass dieMenschen, die eben auch noch im Kirchenraum anwesend sind – und es waren ja nur ein paar mehr als Drei oder Vier (die in Seinem Namen versammelt ind) – so gänzlich egal sind, jedenfalls denen, die Gottes Lob singen und in den Fürbitten v.a. Für die alten und neuen geistlichen Gemeinschaften beten.

Corona bedingt fand auch das Abendessen getrennt statt, so dass es keinerlei Begegnung zwischen Mönchsgemeinschaft und Gästen mehr gab. Morgens um 5:30Uhr noch das Morgengebet, immerhin mit Lesung aus dem Buch Jesus Sirach über das Mikrofon. Ich packte danach meine Sachen und ging meinen Weg. Ein wenig traurig, weil ich mir wenigstens ein Segene erhofft hatte, selbst wenn er fern hinter einem eisernen Gitter gesprochen worden wäre.

Egal.der Weg danach, über Mayen bis nach Monreal, war Entschädigung genug. Einige wunderbare Aus- und Weitblicke, und auch ein Weg Stück reinste Ruhefriede im Wald.

Die Muschel zeigt die Richtung
Die Eifel lädt zur Rast – XXL

Morgen mehr zu Mayen und Monreal, beides Perlen am Weg.

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Auf den Spuren der Römer

Es sieht so aus, als ob die Römer hier alles fest in der Hand hatten. Die ersten beiden Wandertage könnte man gut in einer Toga gehen um ganz der Geschichte zu entsprechen.

Andernach liegt ja nicht nur unüberhörbar an Autobahn, Bundesstraße und ICE-Trasse, sondern auch am Rhein. Das schätzten auch die Wrltenherrscher der Antike.

Auf dem Jakobsweg von Namedy nach Andernach

Vom Rheinufer aus ließen sich Steine aus Tuff und Basalt und später Wein fässerweise bestens verschiffen. Köln besteht deshalb nicht wenig aus hiesige Material. Heute habe ich im eindrucksvollen Römerbergwerk von Meurin gesehen, wie römische Soldaten Höhlen in den Boden grünen, um riesige Steinplatte herauszubrechen. Riesig heißt 1×1,5×0,5 Meter!

Nicht erst Donald J Trump, Möchtegernweltenherrscher, kam also auf die Idee, Mittel aus dem Militärbudget für Baumaßnahmen umzuwidmen. Das machten schon die Römer und ließen Soldaten als Bauarbeiter schuften. Die Schächte sind jedenfalls heute noch zu besichtigen, ergänzt um performative und experimentelle Archäologie. Zahlreiche Handwerkskünste sind zum Mitmachen aufgestellt,eein richtiges Römerfreilichtmuseum,gganz unmuseal. Von Meurin wurden die Steine nach Andernach geschleppt, der Weg, den ich heute etwa zwischen 7 Uhr morgens und Mittags 12 zurückgelegt habe.

Oben die Museumshalle über dem historischen Bergwerk, drunter ein Relief eines römischen Bauunternehmers. Für seine verstorbene Frau und drei jung gestorben Kinder ließ er in Rom ein Grabmal errichten und die Marmorplatte hier war die Ansichtskarte davon für ihn am Arbeitsort.

In Andernach ist noch einiges von den Römern zu sehen. Nicht zuletzt zahlreiche Pizzerien, eine davon „AI Pero“ mit Sterneküche! Drei Sternerestaurants gibt es in der Stadt. Aber ich war dann doch (in Pilgerkleidung kaum anders denkbar) in Merowinger Weinlokal. Vor allem Dr Riesling-Auxerrois vom Weingut Leo Fuchs war köstlich. Und später noch ein fantastisches Eis in der Waffel. Die Nacht im Pilgerzimmer des St. Nikolaus-Krankenhauses habe ich bestens verbracht.

Morgens ging es zügig raus aus der Stadt, vorbei an Schüler*innen, die wieder Präsenzunterricht haben. Vorbei an einem Vergnügungspark.

Nichts ist so trist wie ein Vergnügungspark in Corona-Zeiten morgens um acht.

Der Weg geht lange an Bundes und Landstraßen entlang, irgendwann das schöne Gut Nettehammer, wo früher Mühlen Eisenhämmer Antrieben und heute Standesbeamte Ehen schmieden.

Beliebter Park für Hochzeitsfotos

I’m ersten Ort des Tages endlich eine Tasse Kaffee. Dank sei HedwigHauröder und ihrem Mann ausgesprochen, die zu ihrem 90. Geburtstag eine Bank am Dorfplatz Miesenheim stiftete, 2017 war das, auf der ich den Kaffee genüsslich trank.

Im nächsten Ort Plaidt, architektonisch genauso trist wie alles andere, war in der Ortskirche gerade eine Trauerfeier. Der Geistliche sprach mich kurz vorher noch an und interessierte sich für mein „Beinkleid“. Ein Abstecher dann zum Vulkanparkan der Nette – mit Wildwasser um riesige Basalt rocken.

Die Strecke bis Kruft und danach . erinnert dann sehr an die Medera: Plat viel Asphalt, der Sonne ausgesetzt.in der Ferne die Runden Kegel der Eifel-Vulkane Und menschenleer. Bis man eben am Römerbergwerk in Kretz /Meurin ankommt. Wobei der Reiseführer nur knapp darauf hin weist, es ist nämlich ein Umweg von ca 4 Kilometern.n aber bislang das Highlight.

Reminiszenz aaan die Meseta

Von da aus geht es dann durch Kruft durch die Landschaft. Ich komme schließlich mit leeren Wasservorräten an der Wallfahrtskirche Fraukirch an. Dort ist der Golostein zu sehen, dazu ein Gnadenbild und ein sehr skurriler Altar mit bunt bemalte Tuff, der die schauderliche Geniveva-Sage bebildert. Die Verteilung des znseligen Golo beherrscht das Altarbild auf das Abenteuerliche.

Golo wwar geil auf Genoveva, die aber nicht. Ihr treuer Gatte Siegfried dann machte aus Golo vier Teil

Im angrenzenden Gasthaus komme ich bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch mit zwei anderen Wanderern, beide aber nicht Pilger sondern Vulkanweggeher. Es zeigt sich schnell, dass er Vulkankundler und Autor von Wanderbüchern durch die Eifel ist :Sven von Loga. Er gibt mir viele Tipps für die nächsten Etappen, für heute Abend aber vor allem zum richtigen Restaurant: dem Brauhaus der Vulkan Brauerei in Mendig. Und sie ist Friseurmeisterin und Fotografin (Frau Dahl), die sich auf seltene Tierarten und Schleimpilze spezialisiert hat. Irri Fotos von Millimetcer grocßen Pilzen, schön wie Korallen. Sie regt an, in der Thürer Wiesen die Augen nach Bienenfressern und Wasserbüffel offen zu halten.

Das h ich, Bienenfrasser sehe ich leider nicht, aber Wasserbüffel schon.

Meistens baden sie im Wasser der Thürer Wiesen, ein Projekt des NABU

Am Ende, nach 27 Kilometern, komme ich in Thür an. Die Herberge „Pilgerschnecke“ wird von Petra geführt. Ein richtiges kleines Apartment hält sie für Eifel-Camino-Gehe offen, obwohl sie eigentlich selbst nix hat. 2010 hatsie den Camino on Spanien gemacht.uss ich da noch mehr sagen? Sie leiht mir sogar noch ein Fahrrad, damit ich die vier Kilometer zur Vulkanbrauerei schaffe. Und dort wartet ein herich frischgezapftes Helles, gereift in den Tiefen der Vulkan Keller, und die besten hausgemachten Chips meines Lebens.

Ach, die Landschaft gibt es ja auch noch: würde gegen Ende des Tages mit jedem Kilometer interessanter. Würde, nicht würde! (vermaledeite Autokorrektur!)

Blick nach Thür

Und der Weg ist allerbesten ausgezeichnet. Habe mich nur zweimal verirrt…

Die erste Jakobsmuschel auf dem Eifel-Camino, noch vor Namedy

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Zurück auf Schusters Rappen — Traugotts Pilgerweg

Ein Jahr nach dem Camino hat mich das Pilgern nicht losgelassen. Die Wanderschuhe scharrten schon von selbst im Schuhschrank, der Pilgerstab klopfte unruhig an die Wand: mach Dich auf! Raus mit Dir! Gestern also war es so weit. Es geht auf einen Jakobsweg im Lande. Corona bedingt, dass die Pläne aller Pilgerfreunde vom letzten Jahr […]

Zurück auf Schusters Rappen — Traugotts Pilgerweg

Zurück auf Schusters Rappen

Ein Jahr nach dem Camino hat mich das Pilgern nicht losgelassen. Die Wanderschuhe scharrten schon von selbst im Schuhschrank, der Pilgerstab klopfte unruhig an die Wand: mach Dich auf! Raus mit Dir!

Gestern also war es so weit. Es geht auf einen Jakobsweg im Lande. Corona bedingt, dass die Pläne aller Pilgerfreunde vom letzten Jahr geändert werden mussten und wir uns nicht auf einen Camino in Portugal oder Spanien machen konnten. Ich versuche es jetzt mit dem Eifel-Camino.

Auftakt ist ein Besuch bei Gudrun und Michael Zenz in Bochum-Stiefel – zwar keineswegs in der Nähe der Eifel, aber eine schon lange ausgesprochene Einladung. Oberhalb der Ruhr, mit einem endlos scheinenden Blick ins Tal bis ins Bergischen Land! Michael zeigt mir die evangelische Dorfkirche, gegründet 1008, Fresken aus dem 13. Jahrhundert, wunderschön, und noch immer gut und lebendig genutzt.

Den Abend verbringen wir bei einem köstlichen Menü und feinen Weinen – angefangen von einem Jakob-Tropfen über Big John aus Österreich vom Neusiedler See bis zu einem Mirabellen-Brand. Zwischendrin nimmt Gudrun mich mit zum Gassigehen mit den beiden wilden Terrier 😊.

Ein Abend voller guter Gespräche, umgeben von Kunst und Kulinarik. Ein herrlicher Auftakt.

Zum Abschied grüßen Gudrun und Michael – Danke für die die Gastfreundschaft. So schnell wird man zur Pilger Herberge.

rpt

Und nun geht es endlich auf den Weg…

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