Im Ziellauf laufen

Finaltag! Heute erreiche ich nach ca. 24 Kilometern mit der Hansestadt Wismar mein Ziel.

U N E S C O WELTKULTURERBE!!!

Die Nacht im Gemeindesaal unter dem Kreuz war sehr angenehm. Nur einmal krachte die leichte Klappliege zusammen, aber das war schnell behoben. Katzenwäsche am Waschbecken, sogar warmes Wasser. Die Kaffeemaschine funktioniert, Kaffeepulver ist im Kühlschrank frisch. Die Zeit vergeht wie im Flug, kurz nach 8 geht es los. Ärgerlich aber, dass mein Reiseführer nicht auffindbar ist. Entweder er liegt in der Kirche, weil er mir bei dem langen Gespräch zu schwer wurde, oder die Beerdigungsgesellschaft meinte, er gehört zum Nachlass. Jetzt habe ich Sorge, den heutigen Weg nur mit den gelben Muscheln bewältigen zu müssen.

Da erscheint schon gleich nach Ortsende in der Ferne ein Regenbogen. Hoffnung, Wanderer in Gottes Namen! Vertrau den neuen Wegen!

Mitten im Regwnschauer ein Regenbogen (wenn auch kaum zu sehen)

Wo Regenbogen, da Regen. Über den unendlich weiten Himmel fegen die Wolken dahin, grandiose Wolkenbilder, bald aber auch Regenwolken mit heftigen Schauern. Pellerine also wieder übergeworfen, kurz danach wieder abgelegt.

Den Weg säumen beeindruckende Weidenstämme und auch abgestorbene Baumruinen.

Auch totes Holz ist voller Leben

Menschen begegne ich heute nicht. Autofahrer*innen nur. Da kann man kaum einen Blick wechseln. Geschweige denn ein Wort. Aber ein paar Spuren wohlmeinender Menschen sind am Weg auszumachen. Eine Oase der Ruhe lädt ein zum Verweilen.

Blasen tut aber nur der Wind

Und kurz darauf ein Wegschild mit der Aufschrift in Großbuchstaben: BARMHERZIGKEIT.

Das letzte Schild auf dem langen „Pfad der Werte und Tugenden“. Ich weiß ja nicht recht. Irgendwie bemüht und gut gemeint, aber performative Kraft kommt den hölzernen Begriffsparolen nicht zu. Nett.

In einem Dorf halte ich an einer kleinen Bäckerei – das Fenster gibt den Blick frei auf die Backstube, in der eine Bäckerin am Schaffen ist, Die Chefin, wie mir die Verkäuferin erzählt. Der Laden ist das Zentrum des Dorflebens. Bei einer Tasse Kaffee erlebe ich, wie Bewohner auch ohne was kaufen zu wollen, einfach vorbeischauen zum Ratschen. Ein älterer Mann wird wieder rausgeschickt, weil er keine Maske trägt. Er trollt sich ohne Murren. Vielleicht hat er eine Demenz, und das Dorf geht ohne Drama ganz gelassen damit um.

Leider führt der Rest der Wegstrecke fast vollständig an Landstraßen entlang. Viel Nachdenken und Philosophieren geht nicht, weil ich auf der Hut vor rasenden PKW und LKW sein muss. Kein Rad- oder Fußweg, nur eine schmale Piste für alle. Fast and furious zeigen die Autos ihre Dominanz.

Die beeindruckenden Türme der Kirchen Wismars weisen bald den Weg, aber sie werden (fast) von den Hafenhallen und Industrieanlagen überragt.

Hinter Wismar liegt das Meer, das baltische.

Auf der Zielgeraden dann schon ein Telefonanruf aus der Uni. Der Altag wirft seine Tentakel aus.

Ich rette mich in die quirlige Altstadt. Wismar ist wahrhaft sehenswert. So denken wohl viele Menschen. Es ist wahnsinnig voll. Ich fühle mich nach fünf Tagen durch Wiesen, Wälder und Dörfer eigenartig fremd. Alle Leute sind eingepackt wie im Winter; mir ist nach den Wandertagen auch in T-Shirt und Kilt noch warm, von hinten wärmt der Rucksack. Vor St. Georg werde fotografiert, drinnen fotografiere ich selbst.

Da wirs man ganz demütig

Wismar sehe ich mir morgen an. Mit meinem Mann, der mir entgegen gefahren ist. Ich bin am Ziel eingelaufen.

Mann und Hund. Ziel erreicht

Viel (zu wenig) Regen

Über das Wetter lässt sich streiten. Vor allem zwischen Tourismusindustrie/Tourist*innen und Landnutzenden Einheimischen. Heute ging es immer wieder um das Nass vom Himmel. Bis es schließlich kam. Aber nun schön von Anfang an.

Der Landstrich hier ist ja bekanntlich die nördliche Ebene Meseta-Vorpommern. Jedenfalls kam mir das heute morgen so vor, und mein Morgen dauerte von 8 (Abmarsch) bis kurz nach 13 Uhr (Frühstück). Meine wunderbare Indianerherberge Gut Conradt mit den Heubetten verließ ich aufgeräumt und ausgeschlafen.

Wer genau hinsieht, kann die Flattergeister sehen

Ich hatte es mit dem Schlafen erst im Heu versucht, aber als ich die Mitbewohner kennenlernte – aufgeregt hochflatternde Motten – bekam ich Angst um meinen sündhaft teuren Leichtdaunenschlafsack. Was, wenn da die Mistviecher (obwohl das Stroh sauber war) Lust zum Eierlegen und Fressen bekämen?! Also auf eine der Normalliegen, Romantik hin oder her. Da schlief ich dann selig bis um 7. Eine Stunde danach war ich auf der Strecke nach und durch Retschow. Davor und danach Asphaltstraßen, wie oftmals heute. Zwar gesäumt von mächtigen Alleen. Geht aber ein wenig auf die Fußballen. Und in die Knie.

Dann, am Wegrand, ein Rostocker Auto und aus dem Wald gutgelauntes Pfeifen. Ein Mann anfänglichen Rentenalters, in der Arbeitslatzhose, war wohl sichtlich noch vor der Morgendusche in die Pilze gegangen. Und fündig. Eine KRAUSE GLUCKE! Für die Pilzunkundigen:ein sehr seltener und hervorragender Speisepilz, vom Geschmack nahe am Morchel, aber riesig. Sein erster in diesem Jahr (ich habe die erst zweimal in meinem Leben gefunden).

Was ist krauser? Die Glucke oder der Haarschopf des Finders?

Steinpilze und Perlpilze gäbs normalerweise auch, aber nicht dieses Jahr. Zuwenig Regen.

Hier im Norden ist es das dritte Trockenjahr in Folge. Die sonst heftigen Regenfälle zogen alle südlich vorbei, der Wald ächzt. Und die Brandgefahr ist nach wie vor groß. Sagt meine Pilzbegegnung. Er muss es wissen.

Ich gehe weiter, nun wieder über Plattenwege und Feldwege durch eine, wie der Reiseführer blumig schreibt „wellige Weite“. Endlose Felder, teils noch voller Mais, teils geerntet. Ein weiter Himmel, an dem sich vor grauer Kulisse noch grauere Wolken jagen. Auf den Feldern mal kreative Erntearbeit. Ich schwöre, das Foto nicht retouchiert zu haben.

Bei Groß Siemen, wo das Groß eine infame Lüge ist, liegt etwas abseits vom Weg und ohne jegliche Beschilderung ein Rosenhof, ein ganzes Rosengut. Ein Park, wie ihn die Gärtner König Ludwigs II nicht besser hätten planen können. Und Ludwig verstand was von den kernigen Gärtnern, nicht unbedingt ihres Handwerks wegen. Die Rose ist ja bekanntlich die Blume der zwischenmenschlichen Begierden, Lockungen und des baldigen Verblühens. Hier in GROSS Siemen gibt es über 3.200 Rosenarten (in Worten: etwa 200mal mehr als das Dorf Einwohner hat!). And counting, weil die Eigentümerin immer neue züchtet.

Hätte ich gern bewundert, doch das Tor ist verschlossen, obwohl seit 7 Minuten geöffnet sein sollte (laut Reiseführer). Ans Telefon geht keiner und die Homepage existiert auch nicht. Eine Nachbarin sagt mit wissendem Nasenzucken, „die da haben nicht immer Lust. Sie können es ja mal an der Klingel versuchen.“ Man scheint sich nicht eben Rosenblätter vor die Füße zu streuen hier, eher Dornen. Klingeln aber ist ein gutes Stichwort. Ich versuche es – da kommt gerade aus der Tiefe des Parks, in eine feine rote Strickweste über akkurater Streifenbluse gehüllt, Königin Sylvia in einer eng geschnittenen Audrey-Hepburn-Hose gegangen. Quatsch natürlich, eine herrschaftlich wirkende Gutsherrin (gibt es dafür eigentlich ein wirklich gendersensibles Wort, oder sollte das Herrische so sein?) und öffnet mir das schwere weiße Eisengitter. Sie sähe ja, dass ich Pilger sei, sie könne mich durch den Park zum anderen Ende geleiten, sie habe hier gleich eine Hochzeit. Ich verweise dezent darauf, dass ich mit meinem Kilt eigentlich perfekt zur Festgesellschaft passen würde (wäre da nicht das Schuhwerk), werde aber trotzdem nicht zum Begrüßungs cocktail eingeladen. Die Stühle bleiben also ohne Pilgerbesatz.

Beim trauten Wandeln zum anderen Ende erzählt die Gutsherrin, dass sie den gesamten Park komplett neu angelegt hätten, mit Gesellschaften ein paar Einnahmen hätten und Rosen züchten würden. Klingt nach Neueigentümern nach der Wende und erklärt die Bissigkeit der Nachbarin, die in einem der ehemaligen Knechts/Mägdehäuser lebt. Downton Abbey in MeckPomm. Oder eben Meseta Vorpommern, denn die Rosenzucht und der ganze Park sind in ihrer Existenz bedroht. ZUWENIG REGEN. DER DRITTE TROCKENSOMMER IN FOLGE! Der Boden hat keine Reserven mehr, man wisse ja, weshalb. Und dann die Corona-Auflagen, seit 1,5 Jahren keine Empfänge und Gesellachaften mehr! Die Crawleys auf Downton Abbey hatten ja auch immer wirtschaftliche Not. Und unverständiges Gesinde.

Ich verabachiede mich dankbar. Aus dem Parkspaziergang wurde eine Lehrstunde, ich sehe Rosen jetzt mit anderen Augen, kehre aber alsnald auf den staubigen Asphalt der strukturschwachen Meseta zurück, die mich nach Alt Karin ins Carinerland bringt. Man spricht es nicht wie den Vornamen der ehemaligen First Lady Bayerns (Stoiber) aus, sondern mit Betonung auf der 2. Silbe. In dem uralten Dorf befindet sich das Krumme Haus, das Holländerhaus, der älteste Gutshof des Landes. Aha. Bemerkenswerter finde ich aber, was im Vorgarten eines der Alt Kariner als einzige Deko steht.

Da fehlt eigentlich nur das Jahrmarkt Schild „Junge Männer zum Mitreisen gesucht“

Schnell weiter, immer noch Mesetamäßig. Inzwischen pfeift der Wind recht heftig. Vorbei an einem Gehöft, komplett mit Plastikzaun in Überhöhe und Hecken sichtgeschützt, obwohl allein auf weitem Felde – nur am Bellen und ein paar Lücken im Plastikgeflecht erkennbar: eine Hundezucht, französische Bulldoggen. Ich beschleunige den Schritt mithilfe der Ohrstöpsel und Musik aus den apäten 80ern, A-ha, ab dem 2. Bis zum 4. Album, dann bin ich in Neubukow.

Und das erweist sich als Volltreffer. Mein Hungergefühl kann endlich gestillt werden, denn ich komme an einer Bäckerei vorbei, die diesen Namen auch verdient. Kein Backwarenverkaufsshop mit 35 Brotsorten („bitte das dritte oben links im zweiten Regal rechts. Nein, das daneben!“). Der Bäcker backt hier selbst und den Verkauf übernimmt die von ihm zwischendrin immer wieder geküsste Frau. So kann ich es bezeugen. Ich koste dies und das und trinke noch einen Kaffee in der schmucklosen Backstube/Verkaufsraum.

Keine Kette, kein Design. So soll es sein.

Dann weiter zum Metzger, kleiner Laden, feine Pastete und Wurst, die den Tieren Ehre macht. Ich decke mich für das Nachtmahl ein. Dann halte ich an einer Gedenktafel, denn Neubukow hat Welt-, ja Altertumsgeschichte geschrieben.

Ein Forscher von Weltruhm. Der in Stein Gemeißelte!

H. Schliemann wurde hier als 9. Kind eines Pfarrersehepaars geboren. Und dann entdeckte er Troja. Das ist die leicht verkürzte Version. Die längere führe ich mir im Heinrich Schliemann Gedenkmuseum zu Gemüte. Wirklich spannend, aber weil man das auch bei Wikipedia nachlesen kann, spare ich mir das hier. Nur dies als Glanzstück:

Das ist nicht Tut Ench Amun

Von all der unerwarteten Bildung verwirrt, verirre ich mich beim Weg aus Neubukow. Ich muss nochmal zur Gedenkstätte zurück und in die andere Richtung starten, über eine Brücke über einer Fischtreppe für die Meeresforellen, die hier aus der Ostsee zum Leichen nach Neubukow schwimmen. Und von da aus an einer Windmühle vorbei in das Naturschutzgebiet am Hellbach.

Die drei W des nachhaltigen Lebens:Wind, Wasser, Wald

Ab hier ist es wieder ein Traumpfad. Die Meseta ist geschafft, jetzt wieder Buchenwälder und ein Urwald. Für die Kinder und sonstigen Haribo-Esser sind lehrreiche Waldpädagoginnen aktiv gewesen. Ein Holz-Xylophon lädt zum Spiel – es ist sogar gestimmt. Nach einigen Kilometern verlässt der Pilgerpfad den Hellbach und geht über eine Hochebene an Windrädern vorbei.

Der Strom wird dann nach Bayern geschickt, da will man keine Windräder

Passend zum visuellen Eindruck bläst es jetzt nicht nur ordentlich, sondern das Regengebiet, das der Regenradar warnend angekündigt hatte, kommt wirklich. Es regnet. Als ob St. Jakobus die Pilgergeapräche mit Rosenzüchterinnen und Pilzesammlern abgehört und an Petrus gepetzt hätte. Es gießt, bläst, schüttet. Meine Pellerine hat ordentlich zu kämpfen, nicht davon geweht zu werden. Aber meinem Kilt kam keine Böe zu nahe. Schottische Wolle ist ganz anderes Wetter gewohnt!

Sollte eigentlich ein Video sein, der Soundeffekte wegen

Es sind aber immer noch sechs Kilometer bis zu meinem Ziel Alt Bukow. Von wegen ZUWENIG REGEN! Aber dann denke ich mir, das Pilgerleben ist nicht eitel Sonnenschein und zieh die Pellerine straff, damit sich die Wolle nicht vollsaugt. Es bleibt übrigens sehr angenehm warm im Kilt, besser als klammes Hosenwerk bei diesem Wetter.

Kein Mensch kommt mir entgegen, durch die riesigen Wälder gehe ich allein. Wenn mich hier einer erschlägt, findet man mich erst morgen. Wenn überhaupt. Könnte auch mein höchstpersönlicher Friedewald sein. Aber dann komme ich doch noch ans Ziel, gelange zum Evang. Gemeindehaus Alt Bukow, wo schon eine Trauerfeier stattfindet. Ehrlich! Due Betrauerte schied friedlich im 99. Lebensjahr aus dem hiesigen, ihre Familie bietet mir, schon im Aufbrechen befindlich, die übrigen Wurstbrötchen an. Zum Dank helfe ich der Tochter der Verstorbenen (auch schon betagt) und ihren 2 Töchtern beim Abwasch des Geschirrs. Wir kommen ins Quatschen und stellen fest, dass die eine Tochter in Hamburg bei einem semiprofeasionellen Dudelsack-Orchester spielt und ihren Kilt vom gleichen Schneider hat wie ich. Klein ist die Welt.

Dann zeigt mir der Presbyteriums-Vorsitzende noch die Kirche und erzählt mir seine Lebensgeschichte. Und da ist sie auf einmal da: die gesamte DDR-Geschichte eines Christenmenschen, der in diesem Regime aufwuchs, klug und bildungswillig Landwirtschaft studieren wollte, aber vorher zur NVA musste. 1989 auf den Einsatz in Leipzig mit Schießbefehl vorbereitet wurde, bis Gorbatschow eine versöhnlichere Order gab. Über Nacht. Wie danach das Studium ncht mehr finanziert wurde und er LKW-Fahrer wurde – und dann viele Kehrtwendungen – und heute hat er zwei Töchter, von denen eine Theologie studiert.

Die Kirche von alt Bukow stammt – muss man es noch erwähnen? – aus dem 13. Jahrhundert

All das erzählt er mir, mit unbändiger Belesenheit, in der Kirche bis zum abendlichen Glockenspiel. Meine Beine werden nach 32 Kilometern dann doch müde und er schickt mich in den Gemeindesaal.

Ich denke mir, dass der Herr im Himmel hier wirklich viel Hirn und Herz hat regnen lassen.

Übersprungshandlung

„Cheating“ nannte mein Pilgerbruder Stefan, wenn wir auf dem Weg nach Santiago um ein paar Kilometer – etwa im Gewerbe- und Industriequartier – „betrogen“. Für die Fundamentalist*innen im Pilgervolk kommt das natürlich gar nicht in Frage. Aber wer rechnet auf, wer rechnet nach? Ritt nicht Jesus selbst ein paar Meter nach Jerusalem auf einem Esel und seinem Füllen?

O. K. Schwacher Vergleich. Ich habe heute einige Etappen übersprungen. Auf Empfehlung meiner Pilgetbekanntschaft Renate, die weite Teile der Via Baltica schon gegangen ist. Sie riet mir, Rostock (Großstadt 😱) zu meiden und gleuch nach Bad Doberan zu fahren. Mit Bus und Bahn. Und die Bahn fuhr sogar, trotz GDL-Imponiergehabe.

Buspilgern

In Bad Doberan kam es zu großer Begeisterung meinerseits. Eine tipptopp gepflegte Stadt, mit einer richtigen Dampfbetriebenen Eisenbahn zwischen Heiligendamm (G7! Merkel! Nochnichttrump! Nochnichtjohnson!) und eben Bad Doberan.

Wer will schon nach Heiligendamm?

Meine Wege führten zum Münster (Münster ist überall), eine völlig unversehrte Backsteinkirche, die im 12. Jh. Gegründet wurde und – mit Ausnahme des Turms – weitgehend im Zustand des 13. Jh.s geblieben ist. Für die Millionen gebrannter Ziegelsteine wurden ganzr Wälder abgeholzt. Alles, was zum Brennen ging. Die Eichen wurden verwendet, um Chorgestühl und Altar zu bauen. Das ist bis heute wurmfrei und hat schon einige Restaurationsattacken überstanden. Um nicht zu langweilen: das Münster ist… (mir fehlen ein wenig die Worte).

Die bunten Farben hatte man sich bei den Mauren abgeschaut – kannte man ja von Kreuzzügen und aus Spanien vom Pilgern und fand das schön

Das Ganze gehörte zu einem Zisterzienserkloster (das waren die ziemlich strengen), das in der Reformation 1551 (ich habe bei der Führung aufgepasst) aufgelöst wurde. Aber man stürmte nicht gegen Bilder und Marienfiguren, sondern betreibt die Kirche bis heute. Draußen sind noch ein Wirtschaftshaus allerdings ganz Ruine, wie in England so oft, zu sehen. Soll als Kulturraum genutzt werden.

And when the rain begins to fall…

Trunken vor Bildungsdurststillung zog es mich in die Stadt, endlich frühstücken (13 Uhr).

Das anschließend noch verdrückte kleine Eis bei Coco hane ich nicht mehr fotografiert. Aus Scham. Aber leeeecker.

Dann ging es endlich los, raus aus Bad Doberan, das seinen Namen (den 2. Teil) dem Serbischen verdankt, der Legende nach. Der Ort soll so schön sein, dass ein serbischer Fürst laut sagtw Dobre Dobre (guuut!) tja, so kanns gehen. Man stelle sich vor, Gott wäre Serbe. „und er sah an, am 7. Tag, sein Werk, das er geschaffen hatte, und siehe, es war sehr Dobre“ – das Universum ein einziges (Bad) Doberan?

Die Natur und alle Schöpfung empfing mich auf Waldpfaden, Trampelpfaden, entlang eines Bachlaufs, durch Buchenwald mit riesigen Buchen (was sonst ?). Kein Straßen-znd Dampfloklärm. Irgenwann dann ein griechischer Tempel (oder ein Versuch eines solchen) – die Quelle des mecklenburgischen Mineralwassers. Bis heute. Wo abgefüllt wird, war, anders als in Adeloholzen, nicht zu sehen.

Der Trampelpfad wird von der EU gefördert. Echt.

Zumindest die Brücke. Das nennt man Infrastrukturpaket

Durch den Wald und über Felder ging es, tatsächlich ziemlich auf und ab. Ich kam ins Schwitzen, trotz des Buchenschattens. Hier ist Moränenlandschaft, von der Eiszeit her. Und dann taucht am Waldrand ein Künstlerdorf auf. Mit Töpferei und eines Glasbläserei. Der Ort heißt Glashagen, und in die Glashütte darf man rein. Ein sehr finster dreinblickender, schwarz gekleideter Gesell holt die glühende Masse aus dem Feuerofen. Ein wenig sieht er aus wie Hagen von Troje (Nibelungen), deshalb „Glashagen“. Und in der Hütte spielt laut eine Tom Waits-CD. Düster, alles.

Hier müssen Kreatuve wohnen!

Aber das, was er mit seinem Kollegen bläst, ist für die Ewigkeit (wenn nicht ein Tölper dran stößt).

Ich komme mir, ehrlich gesagt, vor wie im Bayrischen Wald, nur die Sprache ist anders. Kein Bellen.

Nur noch ein paar wenige Kilometer sind es zu meinem heutigen Quartier, Gut Conradt. Ein Indianertipi steht am Eingang. Ich soll einfach un den Heustadel gehen, hatte Sabine, die Beteeiberin gesagt, sie käme erst um 17 Uhr heim. Mach ich auch. Es ist ein Traum. Wie die Yoga-Herberge damals in Spanien. Ein riesigea Heulager, in das ich mich mit meinem Schlafsack legen werde.

Und es gab auch eine warme Dusche, die erate seit 4 Tagen. Solarthermie. Das WC ist ein Biokomposterklo. Oder so. Ich kriege noch getrocknete Teekräuter, Tomaten und Zwieel aus dem Garten, ein halbes Päckchen Penne, und drei Eier von den Hühnern, die den Rest des Tages zu meinen Füßen scharren.

Sogar ein Reh schaut vorbei. Betreten für Pilger mit Rehblick erlaubt

Und all das bei Sonnenschein.

Dobre Dobre

Was für ein schöner Tag. Eine gelungene Übersprungshandlung.

Ist Pilgern kurativ oder palliativ?

Die Frage stellt sich mir, als ich heute nach nur 27 km (kam mir auch nicht so lang vor) im Städtchen Tribsees ankam. Eigentlich ein Dorf, aber aus Altersgründen mit Stadtrechten. Und mit unklarer Diagnose. Aber dazu später mehr.

Meine beiden Pilgerzimmermitbewohner*in Renate und Jörg waren von meinem „ganz leisen“ Schnarchen nicht gestört und saßen morgens noch bei einem ausführlichen Plausch bei Tee und Kaffee in der Küche. Sie haben sich erst vor drei Jahren gefunden, beide im Ruhestand, er Brauer, sie Chemikerin. Und wollten 2019 den Camino Francés gehen, hatten dann aber doch Zweifel. Jetzt soll es 2022 im Frühjahr sein. Ich habe mit meinem Doppelkinn doppelt heftig genickt, immerhin sind sie ja zu zweit.

Eine schöne, kurze Herbergsbegegnung. Die beiden wandern und abenteuern, was das Leben möglich macht. Wintercamping in Schweden. Brockensteigen im Harz als Mehrfachprojekt.

Wir haben den ganzen Tag über noch Tipps für den Weg ausgetauscht über Telegram. Und ihrem Rat werde ich morgen folgen. Der Camino-Spirit lebt.

Dann ging es los. Erst noch ein gutes oder weniger gutes Stück Teerstraße. Nicht weit von Gremmin dann vorbei an Feldern mit Sonnenblumen, überreifem Roggen und Mais.

Und dann Obstbäume in Reihe entlang des Wegs. Marillen in gelb, rot und blau. Riesige Früchte und süß! Die Zwetschgen nich etwas sauer, dafür schon reife Äpfel und Brombeeren. Der Camino sorgt für dich.

Die süßesten Früchte essen auch die kleinen Franken

Der Weg wird immer schöner, die Wiesen grün und saftig. Viele Pferde und große Rinderherden grasen. Aus den dichten Wäldern mit riesigen Linden und mächtigen Eichen dringen knarzende klopfende Geräusche. Der Wind bläst heftig. Ein Storch sucht nach Fröschen und die Stare üben achon mal Formationsflug in Kleingruppen. Vielleicht liegt es an den (über)reifen Marillen, aber heute sehe ich mehr, höre ich mehr.

Eine Kirche steht mitten auf einem Friedhof, aus Feldsteinen mit Backsteinornamenten gebaut im 13. Jahrhundert, im Nest Kirch Baggendorf. Der Küster ist zugange, repariert eine Kirchenbank. Die Kirche ist ein Juwel. Da muss ich noch nicht einmal nur aus Nettigkeit ein Lob ausprechen. Die Malereien, die Ausschmückung und die Atmosphäre stimmen. Das lebt noch heute.

Open doors for open souls

Wieder ein Stück weiter, wohl nahe am „Fluss“ Trebel, der sich hinter Schilfschutz gar nicht zeigen mag, mache ich Rast, nur kurz. Zwei Kilometer weiter ist im Reiseführer eine Tasse vermerkt. Es ist 12 Uhr, ich will endlich einen Kaffee trinken. Nirgendwo auf dem Weg heute gibt es irgendein Lokal, Kaffee, Bäckerei. Nur in einem Landhotel kriege ich eine Tasse, obwohl es gar kein Cafe oder Restaurant ist. Egal, der Chef ist sehr lieb, und das Hotel Gut Zarrentin ist eine Reise wert. Wirklich.

Beinahe bedaure ich, schon bei meiner Herberge angerufen zu haben. Hier wärs auch gut sein…

Noch 10 Kilometer durch eines der größten Naturschutzgebiete Europas weiter. Grasverwachsene Wege, mäandernder Trebel. Bis endlich der Weg in einen Radweg mündet, der dann in einen Plattenweg übergeht.

Plattenweg wie Platte, genauso wie die DDR-Plattenbauweise. Nicht schön zum Leben, nicht schön zu Gehen. Also Kopfhörer in die Ohren, die letzte Stunde krieg ich auch noch rum. Und philosophiere über alles, was sonst noch mit Platte zu tun hat. Musikträger, die Meseta, mein haarloses Haupt. Plattenweg, ein durchaus vielbedeutsames Wort.

Und endlich erreiche ich nach 38.000 Schritten mein Tagesziel Tribsees. Hatte ich vorher noch nicht von gehört. Ist auch mittelalterlich mit Backsteinkirche und zwei Toren. Eins für rein. Eins für raus. So mein erster Eindruck.

Und dazwischen eine Backsteinkirche, ein Rathaus und ein paar bunte, frisch angemalte Häuser. Die Hauptstraße heißt nivh Karl-Marx-Straße.

Tribsees für die Postkarte

Sonst? Leerstand. Wenn es gut gelaufen ist, dann stehen sie noch. 70 Häuser stehen leer, bei 2.800 Einwohnern. Und einige stehen nicht einmal mehr.

Eher nicht für die Postkarte. Das untere Bild direkt am zentralen Kirchplatz.

Die Ureinwohnerachaft hat sich da ganz gut eingefunden. Man züchtet lieber Brieftauben, oder züchtete, bis die Vereinsmitglieder zu alt oder zu behäbig wurden. So jedenfalls sieht das aus, was davon noch zu sehen ist. Das Vereinstürschild ist aus einem Vorort.

Da wirft keine Taube mehr Briefe ein.

Der Ort ist noch nicht einmal wie ein Dornröschenschloss. Da war ja nur Stillstand. Hier aber sieht es nach Schwund aus. Die Arbeitgeber, von denen ich etwas mitbekomme, sind ein paar riesige und maschinell-menschenleere Geflügelmassenbetriebe, die außer Gestank und Antibiotika-Wolken nichts nach draußen oder drinnen durch lassen. Wahrscheinlich nur EU Subventionen. Und die Bundeswehr. Eine der Auslandseinsatztruppen hat hier ihre Station. Die Soldat*innen sorgen für Leben.

Der Ort wirkt sterbend.

Wären da nicht ein paar Interessierte. Engagierte. Ein neuer Pastor seit 4 Jahren, von dem mein Herberggeber geradezu schwärmt. Oder eine Reihe polnischer Familien, die sich hier zum Unmut der Einheimischen verfallene Häuser gekauft und instandgesetzt haben. Und zwar richtug schön. Oder Student*innen der Uni Linz in Österreich (!), die vom Land MeckPomm 5000000 Euro erbettelt haben und nun an einem Belebungsprogramm arbeiten. Die Studies haben alle handwerkliche Grundberufe, aber trotzdem viele Flausen im Kopf, die noch kreativ werden könnten. Entwicklungshilfe und Solidarbeitrag. Das sorgt auch für frischen Wind und sigar ein Lichtspieltheater.

Ein Freilichtkino mitten in der Stadt.

Der neue Pastor ist auch schon 4 Jahre da. Aber er ist umtriebig. Ein neuer Posaunenchor, ein Kirchenchor. Frei gehaltene Predigten, weil der Pastor lange in den USA gelebt hat. Und der Jakobsweg. Meinen Gasteber hat er überredet, sein riesiges, altes und auch etwas arbeitsintensives Haus Pilgern und Pilgerinnen zu öffnen. Es heißt Pilger-Hus – und ist völlig basic, Manufactum ohne Schick. Alles, was da ist, hat er als Spende und Geschenke überlassen bekommen. Ein wundersames Sammelsurium, von dem Michael Ende in seinen Romanen erzählt hätte. Micha ist aus Stuttgart, aber seine Familie ist eigentlich seit 4 Generationen von hier. Dem Pastir hat er vertraut. Er fürchtete, dass jetzt lauter Sandler bei ihm einziehen. Und nur ist er jeden Tag gespannt, was da alles für interessante Leute auf dem Jakobsweg unterwegs sind. Radpilger sind viele da, einer ist heute auch da. Jens aus Hamburg, dem es hier so gut gefällt, dass er immer wiedet kommt, nach Stralsund radelt, seine Seele auftankt und Micha hilft, wo er kann. Er ist Informatiker und ein sehr spiritueller, stiller Mensch.

Gemeinsam machen wir Abendessen. Micha hat ein kleines Kartoffelbeet und gräbt zwei Dutzend Knollen aus. Vom Apfelbaum holt er Äpfel und kocht Apfelmus. Kross gebackene Kartoffelpuffer und Apfelmus essend sitzen wir zusammen, Micha und Jens und ich erzählen, eine Feuerschale wird mit Holz aus dem nahen Wald beheizt. Es wird ein wirklich sommerlicher Pilgerherbergsabend.

Das Pilgern belebt auch totgeglaubte Städte. Znd es wirkt sehr kurativ für die Pilger wie ihre Gastgeber. Das ist alles sehr heilsam. Tribsees lebt. Und Micha, Jens und ihre Lieben sollen das auch. Vergelt’s Gott.

Im Pastorengarten

Meine Kindheit, zumindest einen großen Teil davon, habe ich im Pfarrhaus verbracht, zu dem auch ein Pfarrgarten gehörte. Meine Mutter war nicht ohne Grund stolz darauf, auf die Rosen, eine Linde und einen Apfelbaum, der aber nicht viel Essbares trug.
Manchmal waren Gäste zu Besuch, dann gab es im Garten Kaffee, Kuchen und Schlagsahne. Manchmal klingelten Bettler, die aber nicht im Garten bewirtet wurden, sondern einen Gutschein für einen Metzger oder ähnliches erhielten.
Ich muss an den Pfarrgarten denken, weil ich heute in einem solchen den Abend verbringe.

Im Pastorengarten von Grimmen

Die evang. Kirchengemeinde Grimmen hat ihre alte Pfarrscheune umgebaut und stellt ein 4er-Zimmet Pilgerinnen und Pilgern (in Coronazeiten geimpft!) zur Verfügung. Dusche fehlt zwar, aber dafür gibts im Waschraum Platz und warmes Wasser, si dass ich gleich die Wäsche machen konnte, Leib- und Leibbedeckende Wäsche. Dazu eine Küche, bei der alles für Kalt- und Heißgetränke vorbereitet ist.

Meine Zimmergenissen ahnen nicht, dass ich in einer bayrischen Waldbauernschule einen Motorsägenkurs absolviert habe und heute Nacht an die Arbeit gehen werde

Hier kam ich um 16 Uhr nach 30 Kilometern (das muss ausgeschrieben werden, denn ich habe sie ja nicht abgekürzt) Fußmarsch an und wurde von der Taufkleidweißen Hauskatze schnurrend empfangen.

Sie weiß nichts von meinem schwarzen Wilden Mädchen zuhause.

Grimmen ist eine Kleinstadt mit 11tsd Einwohnern (wahrscheinlich gendert man hiet noch nicht), einem mittelalterlichen Rathaus und einer beeindruckenden gotischen Backsteinkirche. Und zwei asiatischen, einem griechischen und einem Backwarenlokal. Und einem kleinen Zoo, in dem man wohl alle Insassen streicheln kann.

Die Wahrzeichen von Grimmen

In der aktuellen Zeit hängen viele Plakate für die anstehende Wahl (war da was?) an den Straßenschildern. Viel Die Linke, SPD, Grüne. Laschet sieht man gar nicht, CDU-Ortspolitiker schon. Und Tierschutzpartei, die sich um günstigen Wohnraum bemühen wollen (in Grimmen hätts Platz im Zoo…). Ach ja, und AfD, obwihl ich erst zwei ganz kleine gesehen habe. Vielleicht reichen die Spenden aus der Schweiz ja nicht für hier oben.

Ich komme ins Plaudern.

Der Weg heute hatte viel Land zu bieten. Abgeerntete Riesenfelder und verfallende Massentierhaltungsställe aus LPG-Zeiten. Die Äcker werden von Monstermaschinen bewirtschaftet, mit den man einen Transformers-Film drehen könnte (Transformers in Vorpommern: the search Putin’s gaspipeline)

Der Jakobsweg nutzt das, was die gottlose Zeit der DDR übrig ließ: die Schneisen der alten Bahntrassen. Die Gleise wurden nach dem Krieg abgebaut und mussten als Reparationsleistungen nach Moskau geschickt werden. Ob das den Brüdern und Schwestern in Russland geholfen hat, oder die Konten späterer Oligarchen in der Schweiz füllt?

Hier dampften einst nicht verschwitzte Pilger in Funktionswäsche sondern Kohletrieböfen der Reichsbahn

Der Weg führt viel an Waldrändern und Feldern entlang. Einem Pilgerpaar bin ich begegnet. Orte gab es kaum. Ein Sägewerk (Greiswalder Forstbetriebe), sehr hübsche Pferde, ein Golfplatz (!), das war’s dann. Ein sehr nettes Dorf ist Horst (🤭),etwa auf halber Strecke. Den Schlüssel zur Backsteingotikkirche) gab mir die freundliche Familie Gruel. Fresken aus der Gotik zeigen überlebensgroße Apostel. So ist der Protestantismus:keine Knochen und andere Reliquien, dafür ein paar Kunstwerke und auf dem Altar eine Luther2017 Bibel.

Hier ist die Kirche noch im Dorf

Es wirkt alles etwas antiquiert, aber durchaus lebendig, wie eine Einladung zu spirituellen Events 8n der Umgebung zeigt. Und ein Flyer gegen sexuelle Gewalt in Kirchen liegt auch aus.

Die letzten 10 Kilomeeeeter ziehen sich etwas. Der Weg ist etwas öde und mein Rücken macht sich seit einem Hexenschuss Anfang August unschön bemerkbar. Abet dann denke ich an meine Pilgerbrüder, v.a. Nathen, der sich mit viel Schmerzen bis Santiago kämpfte. Da muss ich dich gar nicht jammern. In Grimmen dann ein kleines Pardiesgärtlein. Und dann sogar noch ein Pilgerpaar in meiner Herberge.

Es ist gut sein in einem offenen Pastorengarten. Schade, dass meine Heimatstadt Roth nicht am Jakobsweg liegt, da wäre schon Platz für Pilger*innen gewesen.

Der Rückertbrunnen in Grimmen.

Gastfreundschaft in der Romantikstadt.

Mit dem Zug kommt man eigentlich überall hin, vorausgesetzt, es gibt keinen Streik…

Heute kkam ich gut nach Greifswald, fand gleich zum Dom St. Nicolai, wo man an der Pforte schon auf mich wartete. Ich wurde ins Gemeindehaus gelotst, bekam Schlüssel und ein Willkommensschreiben mit Stadtplan überreicht und den Tipp, noch einen Ausflug nach Wiek zu machen: „Sie sind doch gut zu Fuß…“

ImGemeindesaal sstand schon ein Feldbett vorbereitet, zu Fuß eines mächtigen, modernen Kreuzes. Ob ich im Schlaf von der Passion träume?

Ohne Rucksack machte ich mich auf, die backsteinbarocke Altstadt Greifswalds ließ ich hinter mir, querte die Ryck beim Museumshafen und ging nach Wiek und zur Ostseee. Eine beeindruckende Holz-Hebebrücke lässt alte Segelboote und sehr teuer aussehende Yachten durch. Der Weg nach Putinland ist ja nicht weit, man kann an Nordstream 2 entlang segeln.

Ich wandte den Blick eher nach Norden oder NW, gen Rügen, jenseits der Ostseebucht. Das war wohl ein Ort, an dem Caspar David Friedrich oft stand, DER Maler der Romantik, berühmtester Spross der Stadt. Za seinena lieblingsmotiven gehörte neben Rügen znd Ruinen der Kirchturm vin St. Nicolai, den ich, ein Pfefferheringsbrötchen und ein Himbeereis (ok, es war ein himbeereisbecher) und den Rückweg später, im Abendlicht sehen konnte.

Rathaus und Marktplatz, St. Nicolai – ein CDF-Motiv.

Vir dem fälligen Abendessen mit Störebeker Ale im Brauhaus noch ein Rundgang durch die Unistadtl lbis lzur lJacobikirche, dem Jakobswegapostel gewidmet. Es ist schon spät, die Kirche längst geschlossen, da steht ein gutaussehender Mann mit Schlüssel an der Pforte – und lädt mich ein, noch schnell einen Blick hinein zu tun. Es ist der Pastor von St. Jakob.

Das nenne ich Gastfreundschaft. Greifswald hat ein Herz für Pilger. Zumindest die (evangelischen!) Kirchen und ihr Personal

So habe ich meinena Geburtstag fröhlich verbaacht.

Zurück auf dem Pilgerpfad, diesmal nordisch

Heute soll es losgehen auf der Via Baltica. Ausgangspunkt Greifswald. Uch bin sehr gespannt auf einen Jakobsweg, der weitgehend von evangelischen Gemeinden mit getragen wird.

Vor Fahtantritt auf dem Bahnsteig

Zum ersten Mal werde ich in einem echt schottischen Kilt unterwegs sein. Aus Highlandschafswolle, es ist ja kalt in diesem Sommer, der kaum si zu nennen ist.

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